Leseprobe Familien-Erbe

Jan Rolfsmeier

Amrumer Familien-Erbe

Ein Küsten-Krimi: Hark Petersens zweiter Fall

1

„Wotan! Wotan, hier bin ich! Wotan, komm zu Papi!“

Die Zärtlichkeit in der Stimme des hageren, braungebrannten Mannes zwischen 40 und 50 legte für Peer nahe, dass hier ein Hund gerufen wurde und nicht etwa ein Kind. Er drückte seine Zigarette in die kleine Öffnung des riesigen Aschenbechers, den er in bequemer Höhe an die Wand seines Fahrradverleihs in Nebel geschraubt hatte. Langsam und bedauernd, sich nun unweigerlich davon trennen zu müssen, ließ er dabei die letzte Rauchwolke aus den tiefen Winkeln seiner Lunge entweichen. Ein kleines Hüsteln, dann füllten sich die Lungenflügel mit klarer, frischer Seeluft.

Ein kräftiger Südwestwind wehte sie über den Amrumer Strand, die Dünen und den Wald heran in die Straßen seines malerischen Heimatortes an der Ostseite der Ferieninsel. Der Wind trieb große, weiße Wolken über den ansonsten leuchtend blauen Himmel. Die Sonne strahlte auf die sorgsam aufgereihten Fahrräder und wurde vom glänzenden Chrom warm in sein Gesicht reflektiert. Es war ein herrlicher, fast durchgehend sonniger Tag gewesen, trotz der frischen Brise noch sehr warm. Zumindest für einen 10. September.

18 Fahrräder hatte er heute verleihen können, 14 waren zurückgekommen und warteten darauf, geputzt und geschmiert zu werden. Morgen früh! Da könnte Gunnar dann auch mal wieder mit anpacken. Sein Bruder hatte sich den ganzen Nachmittag nicht blicken lassen. Fauler Kerl! „Nur ne Stunde“, hatte er gesagt. Clara hatte ihn gegen Mittag angerufen. „Irgendwas mit ihrem Fahrrad.“ Wusch, schon war er weg.

Ihre „Halb“-Cousine (bezeichnete man die uneheliche Tochter seines Onkels eigentlich so?, fragte sich Peer) war nach dem gewaltsamen Tod ihrer Halbbrüder und dem damit verbundenen erheblichen Erbe nun wieder öfter auf der Insel. Und Gunnar scharwenzelte bei jeder Gelegenheit um sie herum. Nicht, dass er sich davon Besonderes versprochen hätte. Clara war deutlich jünger, extrem attraktiv und auch aus dessen eigener Sicht mindestens fünf Schuhnummern zu groß für den schwabbeligen, fahlen Vierzigjährigen, der bei Frauen zeitlebens ebenso wenig angekommen war wie Peer selbst. Außerdem war sie ihre Cousine, zumindest halb. Obendrein, wie es hieß, eher an Frauen als an Männern interessiert. Wenn sie überhaupt mal mit jemandem unterwegs war.

Aber immerhin, sie redete freundlich mit ihm und Gunnar, suchte sogar regelmäßig den Kontakt und trank öfter mal ein Bier mit ihnen. So viel Nähe hatte es für die Brüder sonst schon seit Jahren mit keiner Frau mehr gegeben. Zumindest nicht unbezahlt.

„Wotan! Wotan hierher!“ Herrchens Stimme klang immer noch zärtlich, inzwischen aber doch schon leicht ungeduldig und einen Hauch genervt.

Mit mäßigem Interesse blickte sich Peer Olufsen nach dem Gerufenen um. Wotan? Hieß so nicht eine recht kriegerische Göttergestalt aus dem Ring der Nibelungen? Peers Augen suchten nach etwas Großem. Einem Irischen Wolfshund, einem Rottweiler, vielleicht einem Neufundländer. Tatsächlich aber war es ein winziger Langhaar-Chihuahua, der da gerade, die Nase tief am Boden, zwischen zwei seiner Fahrräder herumschnüffelte, völlig ungerührt von Herrchens Rufen. „Alberich, Gimli oder Pumuckl würde eher zu diesem Zwerg passen“, dachte Peer und grinste.

„Wotan! Komm her mein Kleiner!“

Der Winzling hob nun endlich doch den Kopf, spitzte die Ohren, zog mit zitternder Nase die Witterung ein. Dann hob er unvermittelt das Bein, entließ einige grünlichgelbe Urinspritzer gegen die Felge des nächststehenden, sorgsam geputzten Rades und trottete nach kurzem, offenkundig zufriedenstellendem Beschnüffeln seines Werkes los.

„Nicht zu fassen!“, grummelte Peer, dem schlagartig das Grinsen vergangen war.

Grundsätzlich neigte er zwar zu Gleichmut, aber mit allem, was Arbeit machte, war er denn doch aus der Ruhe zu bringen.

„He! Sie! Lassen Sie Ihren Hund gefälligst nicht an fremder Leute Räder pinkeln!“, rief er dem Herrchen zu.

Ein kurzer, müder Blick aus vollkommen gleichgültigen Augen war die einzige Reaktion, die Peer darauf bekam. Dann wandte sich der hagere Hundebesitzer mit strahlendem Lächeln und einem „Da ist ja mein Kleiner“ dem frevelhaften Pinkler zu und setzte ihn in den liebevoll mit Decken ausgepolsterten Fahrradanhänger zu Miniknochen und Kuscheltier.

„Auch noch sein eigenes Rad mit auf die Insel gebracht“, grummelte Peer weiter und stellte sich vor, zum Fahrradanhänger hinzugehen, die Hose zu öffnen und demonstrativ gegen den Reifen des mit dunkelviolettem Tuch ummantelten Gefährts zu pinkeln.

Der Anflug eines Lächelns erhellte sein Gesicht bei der Vorstellung, wie das hagere Herrchen daraufhin wütend aus seiner knallig orangen Regenjacke fahren würde. Dann aber zuckte Peer mit den Achseln, vergaß Hund und Herrchen schlagartig, drehte sich um und fing an, die Postkartenständer in den Laden zu rollen und die Fahrräder draußen mit einer langen Kette aneinanderzuschließen. 19 Uhr. Feierabend! Von Gunnar immer noch weit und breit keine Spur. Musste er die ganze Arbeit wohl alleine machen.

2

Eine Viertelstunde später schloss Peer die Ladentür ab, rüttelte noch einmal testweise daran. Er setzte sich auf eines der noch ungeputzten, heute zurückgebrachten Räder, das er dafür zuvor beiseite gestellt hatte, und machte sich auf den kurzen Weg nach Hause.

Bewegung oder gar Sport waren nicht sein Ding. Nie gewesen! Daher fuhr er extrem gemächlich im zweiten Gang den Smäswai hinauf in Richtung Westerheide. Bei der Landstraße nach Norddorf angekommen, ging sein Atem trotz des mäßigen Tempos schon schwer.

„Du solltest weniger rauchen“, sagte er sich angesichts dieses nach gerade mal 200 Metern nicht zu übersehenden Konditionsmangels. Aber es war nur ein rein mechanisch auftauchender Gedanke. Er kannte sich gut genug dafür, ihm keine weitere Aufmerksamkeit zu schenken oder gar eine Umsetzung anzustreben. 30 Jahre Raucherfahrung sagten ihm, dass jeder Schritt in diese Richtung sinnlos wäre.

Das Überqueren der Landstraße machte ihn immer etwas nervös, weil der Verkehr hier für Amrumer Verhältnisse doch deutlich schneller war. Außerdem musste er aus dem Stand heraus beschleunigen – und jetzt auch noch gegen den Wind und gegen eine leichte Steigung.

Er schaltete in den ersten Gang, ließ den von links kommenden Linienbus vorbeirauschen und trat direkt danach mit tief gesenktem Kopf so stark er konnte in die Pedale. Mit kreischenden Reifen kam der von rechts heranrasende dunkle Audi gerade noch rechtzeitig zum Stehen. Fast hätte er Peer erwischt. Mist, den hatte er im Sichtschatten des Busses offenkundig übersehen. Der Idiot muss gerast sein wie ein Irrer.

Peer schwenkte den Arm in einer Mischung aus Entschuldigung und Drohung zum Fahrer hin, der seine Antwort darauf lautstark und überhaupt nicht zweideutig hupte. Mit kreischenden Reifen beschleunigte der Audi im Bogen um das Rad herum und setzte seine Fahrt fort. Peer schaute auf das Nummernschild. NF. „Natürlich ein Einheimischer“, dachte er bei sich. Die Feriengäste fuhren hier auf Amrum erlebbar langsamer als die Insulaner.

Auch Peer setzte nun schnaufend und mit wackeligem Start seinen Weg fort: die letzten Meter rüber zur anderen Straßenseite, dort ein kurzes Stück nach links die Landstraße entlang und anschließend nach rechts in den ungepflasterten Katterhugh. Dessen zahlreiche tiefe Schlaglöcher hatten sich durch die Regengüsse der letzten Tage bis zum Rand und darüber hinaus mit Wasser gefüllt. Über den Pfützen tanzten die Mücken im Licht der schon tiefer stehenden Frühabendsonne.

Der intensive Geruch des Waldes stieg Peer in die Nase. Er liebte es, in Westerheide zu wohnen, umgeben vom Rauschen der Bäume und ihrem herrlichen Duft. Dass er sich hier mal ein Haus würde leisten können, das hatte er nie gedacht.

Zusammen mit Gunnar hatte er bis vor kurzem ein winziges, schmuckloses und arg heruntergekommenes Häuschen am Strunwai bewohnt. Immerhin ihr Eigentum! Aber mehr als das warf der Fahrradverleih nicht ab. Dann war ihr großer Bruder im Frühling vor einem Jahr gestorben, ein fieser Immobilienhai, dem hier auf der Insel Dutzende Häuser und Wohnungen gehört hatten. Nur einen Bruchteil davon hatten sie und ihre Schwester Christine für die Erbschaftssteuer verkaufen müssen.

Trotz des neuen Reichtums und der vielen Häuser hatten Peer und Gunnar beschlossen, weiter Fahrräder zu verleihen und weiterhin zusammenzuleben. Sie suchten sich aus ihrem neuen Besitz ein wunderschönes Anwesen ganz am Ende des Tanenwai in Richtung Norddorf aus, das an drei Seiten von Bäumen eingerahmt wurde.

Keiner von ihnen wollte alleine wohnen. Natürlich war beiden klar, dass sich das sofort ändern würde, sobald sich eine Frau des Werbens von einem von ihnen erbarmte. Aber dass das einmal passieren würde, erwarteten sie kaum noch. Auch der schwarze Maserati vor der Tür und der ebenfalls geerbte Range Rover hatten ihre Chancen nicht erhöht. Sie hatten einfach keinen Schlag bei Frauen, dachte Peer bedauernd, während er im Slalom um die tiefen Pfützen des Tanenwai herum in Richtung Zuhause steuerte.

3

Der Maserati stand wie immer vor der Tür. Peer bewegte ihn selten. Höchstens bei richtigem Schietwetter fuhr er damit mal zur Arbeit. Oder nahm ihn am Samstagabend mit zur nahe gelegenen Disco, um Eindruck zu schinden. Die Hoffnung stirbt zuletzt! Er holte ihn dann meist irgendwann später, nach dem Ausnüchtern, dort wieder ab.

Der Range Rover war nicht da. Gunnar war offenkundig noch unterwegs. Jetzt vor Anstrengung schon ordentlich schnaufend, schob Peer sein Fahrrad auf das Grundstück mit seinem schon länger nicht mehr gemähten Gras- und Wildblumenbewuchs und lehnte es an eine der Kiefern im Vorgarten.

Die Haustür war nur angelehnt. Komisch: War Gunnar doch schon zurück? Vielleicht hatte er den Wagen ja in die Garage gefahren. Oder ihn irgendwo auf der Insel stehen lassen, weil er etwas getrunken hatte.

Leicht verärgert, weil er den gesamten Nachmittag allein im Fahrradverleih hatte arbeiten müssen und Gunnar es nicht einmal für nötig befunden hatte, ihm eine Nachricht zu schicken, betrat er das Haus.

„He Gunnar, hast du wenigstens schon das Essen fertig, du fauler Mistkerl“, rief er ins Haus hinein.

Keine Antwort, kein Geräusch. Peer wurde es etwas mulmig im Bauch. Einbrecher? Quatsch, doch nicht auf Amrum! Trotzdem ging er vorsichtshalber noch mal zur Haustür zurück. Nein, alles gut! Aufgebrochen war sie nicht. Und war da nicht eben doch ein Geräusch? Aus dem Wohnzimmer? Peer schlurfte ohne Eile zurück ins Haus.

„Eh, Gunnar, alter Penner, bist du besoffen oder was?“, rief er. Das mulmige Gefühl hatte sich verzogen und wieder der leichten Verärgerung über den Bruder Platz gemacht. Wie kam der überhaupt dazu, ihn wortlos allein mit der Arbeit hängen zu lassen?

Peer durchquerte die Diele, die, wie das übrige Haus, immer noch genauso eingerichtet war wie bei ihrem Einzug vor gut einem Jahr. Ja, eindeutig! Gunnar musste im Wohnzimmer sein. Gerade eben waren von dort Geräusche zu hören. Schnaufend trat Peer durch die Tür und setzte zum Schimpfen an.

Der Schlag kam so schnell und aus dem Nichts, dass er weder einen Schrei ausstoßen noch die Arme zur Abwehr heben konnte. Die Axt traf seinen Schädel mit einem wuchtigen Hieb, der den Knochen spaltete. Peer Olufsen war tot, noch bevor sein Körper auf dem Boden aufschlug.

4

Hark Petersen genoss den angenehm warmen Spätsommerabend am Hafen von Husum. Zusammen mit Staatsanwalt Redlef Maier hatte es sich der Kriminalhauptkommissar an einem der gut besetzten Tische vor einer der Hafenkneipen gemütlich gemacht.

Jeder von ihnen hatte ein frisch gezapftes Bier vor sich stehen und eine kleine Portion „Friesische Tapas“. Neuartige Snacks wie diese fantasievollen Matjes-Varianten verdrängten auch hier, in den Kneipen fernab der großen Metropolen, mehr und mehr die traditionellen Angebote wie Frikadellen, Mettbrötchen oder Rollmöpse.

Die Sonne glitzerte auf dem nur leicht gekräuselten Wasser des Hafenbeckens, in dem Fischerboote, Ausflugsschiffe und Freizeitkähne sanft hin und her schaukelten. Es war Hochwasser, und die Boote standen mit ihrer Reling auf Höhe der Kaimauer. Bei Ebbe würden sie ein gutes Stück tiefer und zum Teil direkt auf dem Schlick des Hafenbodens liegen.

Petersen hatte bis vor einer halben Stunde gearbeitet und sich nur kurz in seinem Loft auf der anderen Seite des Hafenbeckens frisch gemacht, bevor er hierher zu seiner Verabredung mit Redlef Maier kam.

„Upps“, dachte der Kommissar, „jetzt bezeichne ich meine Wohnung wohl auch schon als Loft.“

Den Begriff hatte sein junger Assistent Leif Hansen aufgebracht, als der Polizeimeister ihn zum ersten Mal in seinem Domizil im obersten Stockwerk eines alten Fabrikgebäudes abgeholt hatte. Mit aufrichtiger Bewunderung und vielleicht auch einem Anflug von Neid hatte er das minimalistisch eingerichtete Wohnzimmer mit dem breiten Sofa gegenüber der noch breiteren Fensterfront betrachtet. Durch diese Kassettenfenster genoss Petersen, wann immer er Zeit dafür fand, einen grandiosen Blick über die Stadt, den Hafen, die Deiche und die Wiesen und, bei gutem Wetter, sogar bis hin zum Meer. Nach diesem Kurzbesuch nannte Leif die Wohnung bei jeder Gelegenheit nur noch „Das Loft vom Chef“. Dabei fehlte zu dem, was Petersen selbst „Loft“ genannt hätte, hier sowohl die Größe als auch das aufgesetzt kahle Fabrikambiente.

Er wohnte hier schon fast viereinhalb Jahre. Damals hatte er gerade seine Stelle als Leiter der Mordkommission in Theodor Storms „Grauer Stadt am Meer“ angetreten und sofort das Glück, diese gar nicht so teure Wohnung zu finden. Für ihn allein war’s perfekt, und auch wenn Freddy, seine Frau, oder eines der Kinder zu Besuch kam, reichte der Platz. Freddy war damals und bis heute im gemeinsamen Haus in Kiel geblieben. Ihre Arztpraxis lag unverrückbar in Schleswig-Holsteins Landeshauptstadt.

Die Fernbeziehung tat ihrer Liebe keinen Abbruch. Im Gegenteil: Im Alltag konnte jeder von ihnen völlig frei seiner Arbeit und Entspannung nachgehen. Und wenn sie dann hier oder in Kiel zusammenkamen oder gemeinsam in den Urlaub fuhren, war es immer gut.

Redlef Maier saß bereits vor der Kneipe, als Petersen dort ankam. „Erst seit ein paar Minuten“, wie er versicherte.

Während der Kriminalkommissar mit Jeans, T-Shirt und einem Jackett für später, wenn es kühler werden würde, wie immer den legeren Freizeitdress gewählt hatte, wirkte der inzwischen zum Oberstaatsanwalt beförderte Freund in seinem leichten, hellen Sommeranzug höchst elegant. Auch das „wie immer“. Selbst die Krawatte war tadellos gebunden.

Dennoch wurde der schlanke und trotz seiner 45 Lebensjahre noch jugendlich wirkende Staatsdiener auch hier, zwischen all den Kneipengängern, nicht als Fremdkörper wahrgenommen. Irgendwie passte sein Kleidungsstil so perfekt zu ihm, dass er damit selbst bei Jazzkonzerten in verrauchten Clubs keine besondere Aufmerksamkeit erregte.

Trotz der äußerlichen Unterschiede hatten die beiden Männer sich sofort angefreundet, als sie damals, fast zeitgleich, ihren Dienst hier an Schleswig-Holsteins Westküste angetreten hatten. Oft kam der Staatsanwalt von Flensburg nach Husum herüber, um beim gemeinsamen Abendessen über einen gerade abgeschlossenen Fall zu fachsimpeln. Oft fuhr auch Petersen dafür nach Flensburg.

Heute Abend aber gab es keine Mordfälle zu besprechen. Seit vielen Wochen war nichts Neues mehr bei ihm auf dem Tisch gelandet.

„Zum Glück“, wie der Kommissar aufrichtig empfand. Er liebte seinen Job. Aber je weniger man ihn brauchte, desto weniger Leid war entstanden. Außerdem hatten er und sein Team nun auch mal Zeit, alte, nicht abgeschlossene Fälle aus dem Aktenschrank hervorzuziehen, „Cold Cases“. Neuartige Techniken der DNA-Analyse, neue Computertechnik und die noch hakelige, aber doch zunehmende Vernetzung innerhalb der bundesdeutschen Behörden konnten bei manch einem dieser Fälle durchaus andere Möglichkeiten des Herangehens eröffnen. Spektakuläre Ergebnisse waren dabei allerdings in jüngster Zeit nicht erzielt worden.

So hatten die Freunde ausreichend Gelegenheit, den Abend mit Gesprächen über Gott und die Welt zu verbringen. Vor allem redeten sie über die Gesangskünste von Petersens Assistentin Elke Finkenbein, die unter dem Künstlernamen „Ella“ nebenberuflich als Jazzsängerin brillierte. Sie waren beide riesige Fans der voluminösen Mittfünfzigerin mit der rauchigen Stimme und ließen sich nach Möglichkeit keines ihrer leider nicht ganz so häufigen Konzerte entgehen.

Fisch und Meeresfrüchte waren ein weiteres Lieblingsthema der beiden Männer. Nach Tapas und Bier wollten sie ihr Treffen denn auch noch ins Fischrestaurant verlegen, wo sie für 20 Uhr einen Platz am Fenster reserviert hatten. Sie liebten es beide, gerade beim Fischessen, gelegentlich mal aufs Wasser zu schauen. Kutter waren da genau der richtige Anblick, auch wenn sie mit dem Lachs aus norwegischen Farmen, den Hark später wohl auf dem Teller haben würde, überhaupt nichts zu tun hatten. Auch nicht mit der Dorade aus Netzgehegen im Mittelmeer, deren Filet Redlef von der Gräte aß. Hier in Husum waren Krabben und Plattfische der Haupterwerbszweig der Kutterfischer.

Nachdem das Bier geleert und die letzten Tapas verspeist waren, schlenderten die Beamten gemütlich plaudernd durch Trauben gut gelaunter Touristen und Einheimischer, die den milden Spätsommerabend genossen, zum Restaurant hinüber. Die Wirtin erwartete sie bereits mit strahlendem Lächeln. Sie nahm dem Staatsanwalt den Trenchcoat ab und hängte ihn in das Schränkchen am Eingang. Von Petersen wusste sie, dass er sein Sakko grundsätzlich über den Stuhl hängte – oder es anbehielt, falls er gerade eine Waffe trug. Die hatte er heute aber nicht dabei. Er hatte den Abend ja frei.

Wie sie es sich schon beim Bier vorgestellt hatten, bestellte Hark den Lachs und Redlef die Dorade, beides serviert mit einer heißen Gusseisenpfanne voller Rosmarinkartoffeln und einem Wildkräutersalat für jeden. Zu ihrer Freude stellten sie fest, dass die Wirtin zusätzlich ein paar Nordseekrabben über ihren Salat gestreut hatte. Genau, wie sie es mochten! Der trockene Blanc de Blanc und die große Flasche Wasser kamen, ohne extra bestellt werden zu müssen. Stammgäste zu sein und auch als solche behandelt zu werden, bereitete ihnen ein behagliches Gefühl. Was störte es da, dass ihre kulinarischen Gewohnheiten und Vorlieben damit vom Datenschutz her gesehen wohl wie ein offenes Buch vor den Gastronomen lagen!

„Schön, dass jetzt wieder mehr Krabben gefangen werden“, freute sich Hark.

In den beiden vergangenen Jahren hatten sich, wie es hieß, hungrige Schwärme junger Wittlinge über die Nordseegarnelen hergemacht, so dass die Fischer kaum noch etwas fingen. Seit dem letzten Winter war die Lage aber schon wieder entspannter. Sehr zur Freude aller Krabbenfans, die zeitweise bis zu zehn Euro für ein Krabbenbrötchen oder mehr als fünfzehn Euro für ein Kilo ungeschälte Garnelen hinlegen mussten. Geschälte Krabben waren zum absoluten Luxusprodukt geworden.

„Ob das damit zu tun hat, dass die Krabbenfischerei jetzt mehr auf Nachhaltigkeit setzt?“, fragte Redlef.

„Du meinst, weil sie jetzt gerade das Ökosiegel vom MSC bekommen haben?“, fragte Hark zurück. „Helfen tut das sicherlich. Aber dass sich das so schnell ausgewirkt haben soll, glaube ich nicht. Das sind wohl eher die natürlichen Schwankungen in den Krabbenbeständen.“

Wie auch immer, das Krabbenfleisch schmeckte beiden köstlich. Gut, dass es das aufgrund der Schutzmaßnahmen wohl auch in Zukunft noch geben würde.

„Noch eine leckere Mousse au chocolat?“, fragte die Kellnerin beim Abräumen.

Auch beim Dessert waren die Vorlieben der beiden Männer natürlich bekannt. Schoko nach Fisch kam immer gut! Sie teilten den letzten Rest aus ihrer Weinflasche untereinander auf und löffelten Minuten später begeistert die mit Sahne umrahmten Nocken der schokoladigen Creme.

Kurz vor dem letzten Löffel Mousse blickte der Oberstaatsanwalt, der mit dem Gesicht in Richtung Eingang saß, überrascht auf. Dann lächelte er und winkte zu Leif Hansen hinüber, der gerade ins Restaurant herein gekommen war und sich suchend umblickte.

„Dein Assistent scheint zu dir zu wollen“, sagte er zu Hark.

Doch der hatte sich inzwischen ohnehin schon umgedreht, um zu schauen, was die Aufmerksamkeit seines Freundes erregt hatte.

„Leif hat heute Bereitschaft“, antwortete Petersen entschuldigend. „Wenn er es nicht alleine regelt, wird`s was Wichtiges sein.“

Nun winkte auch er den jungen Mann heran und bedeutete ihm mit freundlich interessierter Miene, auf dem freien Stuhl an seiner Seite Platz zu nehmen.

„Entschuldige“, sagte der Polizeimeister auffallend höflich zu Petersen, nachdem er sich gesetzt hatte, „aber das wirst du sofort wissen und sicherlich auch selbst übernehmen wollen. Ich hatte es auf dem Handy versucht, aber dich nicht erreicht.“

„Ist auf stumm geschaltet“, antwortete sein Chef achselzuckend.

Beim Abendessen wurde er lieber nicht gestört. Außerdem war er nicht im Dienst. In dringenden Fällen wusste man im Kommissariat ja, wie und wo er zu finden wäre.

„Tiano hat gerade angerufen“, schilderte Leif und erklärte zum Staatsanwalt gewandt: „Das ist der Leiter der Polizeistation Amrum. Heißt mit vollem Namen Polizeihauptmeister Christiano Rodriguez Querra da Silva.“

„Also, Tiano berichtet, dass Sie einen Toten gefunden haben. Peer Olufsen. Erschlagen. In seinem Haus. Sein Bruder Gunnar ist nicht zu finden. Mit dem lebt, entschuldige, natürlich lebte, er zusammen. Immer noch. Inzwischen aber woanders als bei unserem letzten Besuch bei den beiden. Und jetzt kommt`s: Peers eingeschlagener Schädel war mit einem dunkelgrünen Kotflügel bedeckt, als sie ihn gefunden haben. Jede Wette, der Kotflügel von einem Volvo 850 Classic, meint Tiano.“

Hark Petersen und Redlef Maier schauten erst einander, dann Leif erstaunt und bedeutungsvoll an. Alle drei erinnerten sich nur zu gut an die spektakulären Amrumer „Volvo-Morde“, denen im Frühjahr des vergangenen Jahres gleich mehrere Mitglieder der Familie Olufsen zum Opfer gefallen waren. Auch damals war das Gesicht eines der Toten, der besonders übel zugerichtet worden war, mit dem Kotflügel eines dunkelgrünen Volvo bedeckt worden. Dieser Fahrzeugtyp hatte in dem ganzen Fall eine herausragende Rolle gespielt. Die Ermittlungsarbeiten kamen damals sehr schnell voran, aber die Morde geschahen in einem noch schnelleren Tempo. Die mutmaßlichen Täter hielt man für tot. Der neuerliche Mord könnte jetzt auf etwas anderes hindeuten.

Petersen winkte die Wirtin heran. Sie hatte den Tisch aufmerksam im Auge behalten, seit Leif sich dort gesetzt hatte. Sie kam augenblicklich.

„Darf`s noch etwas sein“, fragte sie in einem besonders freundlichen Ton.

„Einen doppelten Espresso und die Rechnung, bitte“, bestellte Petersen und blickte dabei Leif fragend an. Der nickte.

„Zweimal doppelter Espresso“, lächelte er zur Wirtin gewandt, und dann zu Redlef: „Das wird ne lange Nacht.“ Ein Blick auf die Armbanduhr zeigte 21:30 Uhr.

„Die Spurensicherung ist bereits auf dem Weg“, berichtete Leif. „Unser Hubschrauber wird in etwa einer halben Stunde hier sein. Die Gerichtsmedizinerin nehmen wir von hier aus mit. Dr. Steffens hat heute Bereitschaft und ist gerade in Husum. Privat. Zurück fliegt sie dann später wohl mit der Spusi.“

Petersen fühlte eine gewisse Erleichterung, dass sie nicht mit Dr. Alfons Sandemann, dem Chefpathologen der Gerichtsmedizin hier im Norden, nach Amrum fliegen würden, sondern mit seiner jungen Kollegin. Sie hatte bei den wenigen Malen, die er bislang mit ihr direkt zu tun hatte, einen sympathischen und fachlich versierten Eindruck gemacht. Sandemann hingegen nervte damit, dass er grundsätzlich am Tatort und bei der Obduktion witzig gemeinte Reime vor sich herplapperte. Die meisten davon waren unglaublich schlecht und grundsätzlich unpassend. Je blutiger der Tatort, desto absurder seine Gedichtchen.

„Vermutlich ist das nur seine Art, das Grauen zu kompensieren“, dachte Petersen entschuldigend. Zudem war Sandemann der mit Abstand kompetenteste Pathologe, dem er je begegnet war. Trotzdem: Dr. Tanja Steffens schien ihm unter den gegebenen Umständen die angenehmere Reisegefährtin.

Die Pathologin würde vermutlich gleich nach der ersten Leichenschau zusammen mit dem Toten zur Rechtsmedizin nach Kiel fliegen. Leif und er würden hingegen auf jeden Fall über Nacht und vermutlich für mehrere Tage bleiben, war Petersen sich sicher.

Er selbst würde sicherlich bei Tante Lizzy unterkommen können, aber Leif musste irgendwie versorgt werden. Er schaltete sein Handy an und schaute noch einmal auf die Uhr. Ob er Ella zuhause stören und mit der Suche nach einer Unterkunft beauftragen sollte? Oder könnte er dabei auch auf die Nachtbesetzung im Kommissariat vertrauen?

Da klingelte sein Handy. Petersen musste schmunzeln, als er das mit der Anrufernummer verbundene wettergegerbte und von tausend kleinen und größeren Fältchen überzogene hagere Gesicht auf dem Display sah.

„Peers Tod hat sich auf Amrum schon herumgesprochen“, lächelte er zu Leif und Redlef gewandt und nahm mit einem liebevollen „Hallo Tante Lizzy!“ ab.

„Hark, mein Junge, entschuldige, dass ich dich anrufe“, klang es von der anderen Seite. „Aber ich warte schon seit einer dreiviertel Stunde, dass du dich meldest, und nun möchte ich gleich schlafen gehen. Dein Bett ist überzogen, und es liegt alles bereit, was du brauchen könntest. Für den Fall, dass dein charmanter junger Kollege mitkommt, ist auch das Bett im anderen Zimmer gemacht. Hier ist ja noch Saison und außerdem tollstes Wetter. Da wird es schwierig sein, ein Hotelzimmer zu bekommen. Frühstück um sieben?“

„Tante Lizzy, du bist ein Schatz!“, strahlte Hark.

Der Anruf hatte trotz des dramatischen Anlasses eine riesige Vorfreude auf die Insel und auf seine Tante ausgelöst. Beide liebte er schon seit seiner Kindheit über alles.

„Ich weiß“, kicherte seine Tante auf der anderen Seite der Leitung. „Natürlich bin ich ein Schatz! Ich lasse die Tür zur Küche offen, ihr könnt also jederzeit rein. Versucht bitte, leise zu sein, aber macht euch nichts daraus, wenn ihr das nicht schafft. Bis morgen, mein Junge!“ Sie hatte aufgelegt, bevor er etwas erwidern konnte.

„Gute Nachrichten, Leif! Du musst heute Nacht nicht auf der Pritsche in der Arrestzelle schlafen!“, grinste Petersen seinen Assistenten an. „ Lizzy hat dir ein Bett überzogen.“

Leif sah tatsächlich erleichtert aus. Offenbar hatte er die andere Möglichkeit bereits in seine Wahrscheinlichkeitsrechnungen mit einbezogen. Die Polizeistation Nebel war in einem ehemaligen Einfamilienhaus untergebracht. Als Arrestzelle war das umgebaute Bad im Erdgeschoss eingerichtet worden. Das weckte gerade in Bezug auf die „Volvo-Morde“ ausgesprochen unangenehme Erinnerungen in den Mordermittlern. Die Aussicht, mit bei der Tante seines Chefs übernachten zu können, war für Leif hingegen sehr erfreulich. Er fand die Fast-Rentnerin ungeheuer sympathisch.

Der Espresso kam, und die beiden Polizisten schütteten sich sofort jeder zwei Päckchen Zucker hinein, rührten fast synchron, kippten die verführerisch duftenden Getränke in einem Zug herunter und standen zeitgleich auf.

„Wie zwei Synchronspringer“, dachte Redlef Maier amüsiert und griff sich mit einem „das erledige ich“ die Rechnung. „Ihr seid ein beneidenswert tolles Team“, lachte er, während er den beiden Aufbrechenden die Hand schüttelte und einen erfolgreichen Einsatz wünschte.

Sekundenbruchteile später waren sie zur Tür hinaus.

5

Christiano da Silva war entsetzt, aber er ließ sich zunächst einmal nichts anmerken. Ein kurzer Augenblick der Besinnung, dann wandte er sich mit professioneller, gefasster Miene zu Christine Olufsen um, die zusammen mit der schluchzenden Johanna Sörensen kreidebleich hinter ihm stand.

„Vielen Dank, dass ihr sofort angerufen und nichts weiter angefasst habt“, sagte er. „Hein und ich schauen gleich vorsichtig nach, wer es ist. Aber seid so lieb und wartet draußen. Wir lassen es euch dann wissen.“

„Es ist Peer, Tiano! Auf jeden Fall Peer“, stellte Christine ganz leise und sachlich fest. Im Umdrehen legte sie sanft die Hand auf die Schulter von Frau Sörensen und zog die weinende Frau mit sich aus dem Zimmer und dem Haus hinaus. Frau Sörensen ließ sich willenlos führen. Sie beruhigte sich nur sehr langsam. Immer wieder klangen Schluchzer aus ihrer Kehle.

Als die Frauen außer Sicht- und Hörweite waren, schaute der Leiter der Amrumer Polizeidienststelle erstmals wieder direkt zu seinem Kollegen Heinrich Dammann hin und ließ das Entsetzen auf sein Gesicht zurückkehren.

„Verdammt, Hein“, stöhnte er und fuhr sich mit der Hand durch seine akkurat geschnittene Kurzhaarfrisur, deren einstmals tiefes Schwarz an den Seiten bereits deutliche Schattierungen von Grau zeigte. „Geht das jetzt etwa wieder los?“

Hein schaute nicht weniger fassungslos aus seiner Polizeiuniform. „Wirklich grauenhaft“, schüttelte der hünenhafte Polizeibeamte den Kopf. „Die arme Christine trägt es nach außen hin ja halbwegs gefasst. Aber ich kenne sie ein wenig. Dass sie jetzt schon wieder einen Bruder verloren hat, setzt ihr verdammt zu.“

Seit gut acht Jahren war Hein neben seinem Chef Christiano Rodriguez Querra da Silva der einzige Ganzjahres-Polizist auf der Insel. Die beiden jungen Saisonkollegen, die die Belegschaft der Polizeistation Nebel von Februar bis November zahlenmäßig verdoppelten, waren draußen bereits dabei, Haus und Grundstück weiträumig abzusperren.

Mit Jette Schröder und Leon Brandt bestand die Saison-Unterstützung wieder aus einem Mann und einer Frau, und wie üblich hatten die beiden gerade erst die Polizeischule abgeschlossen, bevor sie auf die Insel kamen. Jetzt, nach gut einem halben Jahr, hatten sie sich perfekt in das Polizeiteam eingefügt, aber nur wenige dramatische Situationen erlebt. Die älteren Kollegen würden den Nachwuchs später einen intensiven Blick auf den Tatort werfen lassen. Zu Schulungszwecken! Aber erst wenn die Kripo und die Spurensicherung damit durch waren. Vorher hieß es „weniger Menschen verwischen weniger Spuren“.

„Ich mach` dann mal“, sagte Tiano widerstrebend, zog ein Paar Latexhandschuhe aus der Uniformjacke und streifte sie über.

Hein nickte zustimmend. Er hatte seine bereits angezogen bevor er sich durch kurzes Anfassen zweifelsfrei überzeugt hatte, dass der Mann auf dem Wohnzimmerboden tatsächlich tot war und kein schwer Verletzter, der vielleicht noch Hilfe brauchte. Auch erste Fotos von der auf dem Bauch liegenden Leiche hatte er schon mit seiner Handykamera geschossen. Jetzt überließ er das Feld gerne seinem Freund und Vorgesetzten.

Da Silva trat vorsichtig durch die Türöffnung und über den Toten hinweg ins Wohnzimmer. Peinlich genau achtete er darauf, nichts zu verändern oder zu verwischen. Kripo und Spurensicherung sollten sich ein unverfälschtes Bild machen können. Trotzdem musste er den Kotflügel einmal anheben, um zu sicherzustellen, dass es tatsächlich Peer war. Er zweifelte zwar nicht wirklich an Christines Urteil, aber letzte Gewissheit war nur so zu bekommen. Bis die Mordkommission eintraf, würde noch mindestens eine Stunde vergehen. Diese Zeit musste unbedingt schon genutzt werden.

Der Tote hatte leichte aber stabile Sommerstiefel an den Füßen. Die Beine steckten in einer schmuddeligen Latzhose. Das linke war gerade ausgestreckt, das rechte etwas angewinkelt.

„Fast, als würde er schlafen“, dachte Tiano.

Das karierte Flanellhemd im Holzfällerlook war ebenso schmuddelig wie die Hose, unter der es herausschaute. Schultern und Kopf waren von einem großen dunkelgrünen Kotflügel bedeckt. Der Scheinwerfer fehlte, die rechteckige Vertiefung, in der er gesessen hatte, war leer. Ein dünner Streifen Blut war unter dem Kotflügel herausgelaufen und mündete in einer kleinen Pfütze. An Blutverlust war der Mann hier sicherlich nicht gestorben. Weiter ins Wohnzimmer hinein, vielleicht einen halben Meter vom Kotflügel entfernt, lag eine Axt. Blutspuren konnte da Silva daran auf den ersten Blick nicht ausmachen. Aber das war jetzt auch nicht sein Thema. Die Spurensicherung würde sich später darum kümmern.

Tiano trat neben den Oberkörper des Mannes, bückte sich, atmete noch einmal tief durch und hob extrem behutsam den Kotflügel an. Nur so weit, dass er darunter schauen konnte, dabei peinlichst darauf bedacht, dass nichts verrutscht. Ein Fliegenschwarm schoss unter dem Blech hervor. Tiano zuckte erschreckt zurück und zog den Kotflügel dabei in die Blutspur hinein.

„Mist, das hättest du erwarten müssen“, fluchte der Polizist, aber zu ändern war es nicht mehr, also hielt er sich auch nicht mit weiteren Selbstbeschimpfungen auf.

„Es ist tatsächlich Peer!“, sagte er zu Hein gewandt. Er kannte den Mann gut, der da mit weit aufgerissenen Augen auf dem Boden lag. Aus einer flächigen Wunde an der Stirn war das Blut auf den Holzdielenboden geflossen. Weitere Wunden konnte da Silva nicht erkennen. Peers Haut war schneeweiß. Rotviolette Leichenflecken zeichneten sich darauf in makabrem Kontrast ab.

Der Polizeihauptkommissar war kein Mediziner. Aber er war sich trotzdem ziemlich sicher, dass Peer schon seit mindestens einem Tag tot war. Damit war klar, dass sie den Täter nicht mehr im Haus suchen mussten.

„Hier gibt`s für uns im Moment nichts mehr zu tun“, sagte Tiano im Aufstehen zu Hein. „Lass uns draußen mit den beiden Frauen sprechen. Und wir müssen Gunnar Bescheid sagen, was mit seinem Bruder passiert ist.“

Christine Olufsen stand mit Johanna Sörensen auf dem Tanenwai direkt am Absperrband mit dem Aufdruck „Polizeieinsatz“, das die beiden jungen Polizeimeister inzwischen vollständig (und an den meisten Stellen überflüssig) um das gesamte Grundstück gezogen hatten. Auch fünfzehn oder zwanzig nicht Beteiligte standen neugierig um das Geschehen herum, traten über die Absperrung, bedrängten die Frauen, fotografierten und filmten sogar.

„Treten Sie bitte alle zurück! Hier gibt es nichts zu sehen und Sie behindern unsere Arbeit“, rief da Silva im strengsten Polizistenton, den er zur Verfügung hatte.

Die wenigen Einheimischen in der Menschentraube nickten zustimmend und gingen. Die anderen taten so, als hätten sie nichts gehört. Der Dienststellenleiter winkte seine jungen Kollegen heran.

„Personalienfeststellung, Platzverweise“, rief er ihnen mit betont abfälliger Handbewegung in Richtung der Gaffer zu, die über die Absperrung getreten waren. Die verzogen sich umgehend, als die Polizeimeister sich näherten. Nur ein älteres Ehepaar blieb wie angewurzelt im Vorgarten stehen und machte sich offenkundig in völliger Selbstzufriedenheit bereit, sich aufzuspulen. Da Silva schüttelte es vor Ekel.

„Volles Programm“, rief er seinen Kollegen zu. „Ihr habt freie Hand. Notfalls über Nacht in die Arrestzelle.“

Dann drehte er sich zu Christine und Frau Sörensen und blendete die unappetitliche Szene hinter sich aus, die erwartungsgemäß von Wortfetzen wie „freies Land, freie Bürger, Stasimethoden, gutes Recht…“ begleitet wurde, sich dann aber doch relativ schnell auflöste.

„Wie habt ihr ihn entdeckt?“, fragte er die beiden Frauen im sanftesten Ton, der ihm möglich war.

Christine übernahm das Reden: „Ich wollte heute Morgen bei Peer und Gunnar Fahrräder für zwei Gäste reservieren, die morgen kommen. Sie sind aber beide nicht ans Handy gegangen. Auf Whatsapp gab`s auch keine Antwort. Daher bin ich gegen Mittag zum Laden hin. Der war aber geschlossen. Dann bin ich zu ihnen nach Hause, um zu sehen, ob jemand krank ist und Hilfe braucht. Hat aber keiner aufgemacht. Mara und Clara wussten auch nichts. Als es dann um acht immer noch kein Lebenszeichen gab, hab ich bei Frau Sörensen angerufen. Sie macht bei meinen Brüdern den Haushalt. Bei mir übrigens auch. Wir sind dann zusammen mit ihrem Schlüssel hier rein und dann…“

Bis hierhin hatte sich Christine wacker gehalten, jetzt aber schnitt ihr ein enormer Schluchzer die Sprache ab. Tränen liefen ihr über das Gesicht. „Peer hat doch keiner Seele was zuleide getan! Und ich mache mir irre Sorgen um Gunnar! Wenn dem nur nicht auch was passiert ist…“

„Ach du armes Mädchen“, schluchzte nun auch wieder Frau Sörensen und nahm Christine in den Arm.

Aber schon nach einer Minute riss sich die junge Frau sichtbar entschlossen zusammen, machte sich los und wischte sich mit dem Ärmel über das Gesicht. In einem bemüht gefassten Ton, der fast gelang, sagte sie „Entschuldige, Tiano!“

Der Polizist hatte mitfühlend abwartend dabeigestanden. Nun strich er ihr statt einer Antwort zart mit den Fingerrücken über die Wange. Dann bat er um die Handynummern ihrer Brüder Gunnar und Peer, von ihren Cousinen Mara und Clara und um ihre eigene Nummer.

„Wir werden schauen, ob wir Gunnar per Handyortung ausfindig machen können“, erklärte er Christine. „Vielleicht haben wir ja Glück. Sicherlich wird auch die Mordkommission heute noch mit dir reden wollen und zur Terminabsprache anrufen“, kündigte er an. „Wir melden uns natürlich auch bei dir, wenn wir etwas zu Gunnar in Erfahrung bringen. Ich fahre jetzt erst mal zu deinen Cousinen. Willst du mitkommen?“

Christine nickte dankbar, umarmte Frau Sörensen noch einmal kurz und herzlich und fuhr mit Tiano zusammen im Streifenwagen davon.

6

Leif hatte den Dienst-BMW mit aufgesetztem und eingeschaltetem Blaulicht direkt vor dem Restauranteingang geparkt. Zu Fuß wäre er vom Kommissariat aus vermutlich mindestens ebenso schnell hier gewesen. Petersen schmunzelte. Der junge Mann liebte die dramatischen Auftrittsmöglichkeiten, die der Beruf ihm manchmal bot, und kostete sie aus. Da er es dabei aber selten übertrieb, ließ sein Chef ihn gerne gewähren. „Jungsein bringt auch Rechte mit sich“, fand der insgeheim, hütete sich aber, dies Leif gegenüber auszusprechen.

Die beiden fuhren zunächst zum Kommissariat, das vor nun schon über drei Jahren in ein altes Patrizierhaus gegenüber der Kirche gezogen war. „Nur vorübergehend, während die neue Dienststelle gebaut wird“, hieß es seit damals. Der Glaube an das „Vorübergehende“ war mittlerweile bei allen Mitarbeitern erloschen, auch wenn die alte Dienststelle nun tatsächlich, mit zweieinhalb Jahren Verzögerung, abgerissen worden war. Doch seither hatte sich wieder überhaupt nichts getan. Schwierigkeiten mit der Ausschreibung auf EU-Ebene, hieß es.

Grundsätzlich störte sich hier im Kommissariat niemand an den Räumlichkeiten. Das Haus war ja sehr schön und super zentral gelegen. Das Ambiente durchaus edel. Andererseits waren die Stromleitungen hier noch aus der Gründerzeit, Steckdosen rar und die wenigen LAN-Kabel ewig überlastet. Zudem war der Verhörraum ein Witz. Wichtige Befragungen lagerten Petersen und seine Kollegen daher in der Regel in die Dienststellen Flensburg, Niebüll oder sogar nach Heide oder Schleswig aus. Zumindest, wenn die sich nicht wieder einmal wegen „Eigenbedarfs“ querstellten. Seit sein Freund Redlef zum Oberstaatsanwalt befördert worden war, hatte sich dabei allerdings für Hark der „kleine Dienstweg“ und damit der problemlose Zugang zu vollverkabelten Befragungszellen geebnet. Nicht, dass sich Redlef Maier jemals eingemischt oder Petersen auch nur eine Andeutung gemacht hätte. Doch allein, dass man vom guten Verhältnis der beiden wusste, führte zu deutlich gesteigertem Wohlwollen.

Petersen ließ seinen Assistenten alleine nach oben in ihre Büros im zweiten Stock eilen, um die Seesäcke zu holen, die sie sich inzwischen für Einsätze auf den Inseln und Halligen fertig gepackt bereitgestellt hatten. Da sie dort oft zwangsläufig über Nacht und immer mal wieder für mehrere Tage bleiben mussten, bot es sich an, eine Grundausstattung an Kleidung, Hygieneartikeln und Ladekabeln mitzunehmen. Diese Lehre hatten sie aus ihrem ersten gemeinsamen Einsatz auf Amrum gezogen, bei dem Hark zwar von Tante Lizzy mit dem Nötigsten versorgt worden war, Leif aber fast die letzte Fähre verpasst hätte, weil er erst noch zum Packen nach Hause fahren musste. Seither hatten ihnen die Seesäcke schon mehrmals einen Einsatz angenehmer gestaltet. Nur die Laptops mussten jeweils noch hineingetan werden. Dann waren sie sofort reisefertig.

Petersen war aus dem BMW gestiegen und lehnte in der offenen Wagentür. Die Temperatur war immer noch ungewöhnlich mild. Trotz der für Husumer Verhältnisse bereits deutlich fortgeschrittenen Stunde – es ging auf 22 Uhr zu – waren die Straßen rund um den Marktplatz noch belebt. Direkt vor der Kirche standen und saßen vor allem junge und sehr junge Menschen. Sie unterhielten sich, tranken die selbst mitgebrachten Getränke, lachten. Hark freute sich an der guten Stimmung auf dem Platz, der Raum zum Treffen bot, ohne dafür bezahlen zu müssen.

„Sind sie von der Polizei?“, krächzte eine aggressive Stimme hinter ihm, die so gar nicht zur friedlichen Szene auf dem Platz passte.

Petersen kannte diese Form der Ansprache aus über 25 Jahren Polizeidienst und ahnte, worauf das hinauslaufen würde: Beschwerde über Geräusche, die Menschen machten, Notdurft, die sie öffentlich verrichteten, Müll, den sie zurückließen. Und dann die Aufforderung einzuschreiten.

Er drehte sich langsam zu der Dame um, die ihn angesprochen hatte, und blickte freundlich in ein etwa 60 Jahre altes, von aggressiver Wut entstelltes, rundliches Gesicht, das ihn mit einer Mischung aus Verachtung und Erwartung betrachtete.

„Nein, tut mir leid“, antwortete er freundlich und nicht im mindesten darauf erpicht, sich mit der Frau und ihren berechtigten oder unberechtigten Wünschen auseinanderzusetzen. Damit drehte er sich wieder in Richtung Kirche. Doch so einfach wollte sich die Dame nicht abwimmeln lassen.

„Das erzählen sie mal wem anders“, schimpfte sie los. „Das ist ein Polizeiauto. Sieht man doch am Blaulicht!“

Petersen musste sich zwangsläufig auf mehr als einen Satz einlassen. Aber wenn er schon mit der Frau sprechen musste, dann wollte er auch seinen Spaß dabei haben.

„Pssst!“, flüsterte er. „Nicht so laut! Das hier ist eine geheime Ermittlung. Wir wollen an die Hintermänner der Jugendbanden da drüben ran. Gehen sie bitte weiter und erregen Sie kein Aufsehen.“

In diesem Moment kam Leif mit den beiden Seesäcken und einem Uniformierten aus dem Kommissariat gelaufen und Petersen setzte sich ohne Abschiedsgruß auf den Beifahrersitz und schlug die Tür zu. Leif war mit dem Reisegepäck auf den Rücksitz gehechtet, der Uniformierte sprintete zur Fahrerseite, startete Wagen und Blaulicht und fuhr mit kreischenden Reifen los.

„Der Hubschrauber ist in zwei Minuten da“, erklärte Leif. Das würden sie locker schaffen. Ein Landeplatz lag in der Ferdinand-Tönnies-Straße, nur wenige hundert Meter entfernt. Sie mussten lediglich den Schlosspark umrunden.

7

„War die Haustür eigentlich abgeschlossen, als du mit Frau Sörensen zum Haus gekommen bist?“, fragte Tiano Christine, die neben ihm auf dem Beifahrersitz Platz genommen hatte.

Christine nickte: „Ich hatte natürlich schon versucht, ob sie offen ist, bevor ich Frau Sörensen mit dem Schlüssel geholt hatte. Auch die Tür im Garten war zu. Zum Glück! Sonst hätte ich Peer ja ganz allein gefunden.“

Die junge Frau war nun schon wieder deutlich gefasster als beim Einsteigen und hatte Clara und Mara den Polizeibesuch bereits per Whatsapp angekündigt. Blaue Häkchen zeigten sofort nach dem Absenden, dass die Nachricht gelesen worden war. Die beiden Cousinen wussten vom Leichenfund. Christine hatte sie gleich nach ihrem Telefonat mit der Polizei angerufen. Nun warteten sie offenkundig dringlich auf mehr Informationen.

Clara wohnte ebenfalls am Tanenwai, aber genau auf der entgegengesetzten Seite der kilometerlangen, ungepflasterten Straße, die fast auf ganzer Strecke am Wald entlang oder durch ihn hindurch führte. Der Polizeiwagen bog daher an der ersten Querverbindung, dem Noorderstrunwai, nach links ab, um gleich darauf die gut ausgebaute Landstraße bis hin zum Leuchtturm zu nehmen. Von dort aus war es ein Katzensprung zu Claras Haus, das einsam am Rande der Dünen lag.

Das nicht sehr große aber ausgesprochen hübsche Reetdachhaus mit seinen weiß gestrichenen Wänden war rundum hell erleuchtet. Hinter jedem einzelnen Fenster brannte Licht. Clara war aus der Haustür getreten, sobald der Polizeiwagen in die Einfahrt eingebogen war, und lief ihnen entgegen. Als da Silva den Wagen neben Claras Sportcoupé zum Stehen gebracht hatte, war sie bereits an der Beifahrertür und nahm ihre Cousine nach dem Aussteigen wortlos in den Arm.

Da Silva betrachtete die junge Frau mit höchster polizeilicher Aufmerksamkeit. Unter ihrer natürlich braunen, von der Sonne zusätzlich stark gedunkelten Haut war sie kreidebleich. Trauer und Sorge zeichneten Claras Gesicht, die Augen waren vom Weinen gerötet und mit dunklen Schatten unterlegt.

„Eine trauernde Angehörige“, notierte der Polizeihauptkommissar innerlich und nicht ganz ohne Überraschung. Er traute der selbst in diesem Zustand noch unglaublich attraktiven dunkelhaarigen Frau seit jeher nicht über den Weg. Nach dem mysteriösen und bis heute ungeklärten Tod ihres Vaters vor viereinhalb Jahren gehörte sie für ihn zu den Hauptverdächtigen. Auch beim Tod ihrer Brüder war für ihn ihre zumindest indirekte Tatbeteiligung bis zuletzt nicht auszuschließen gewesen.

Aber das war reines Bauchgefühl. Neben dem jeweils erheblichen Erbe, das als hinreichendes Tatmotiv gelten mochte, gab es in keinem Fall auch nur den Hauch eines Indizes. Beim Mord an ihren Brüdern war sie nicht einmal auf der Insel gewesen. Zudem schienen Trauer und Mitgefühl hier und jetzt vollkommen ehrlich zu sein, und Peers Vermögen würden wohl Gunnar und Christine erben, nicht sie.

Trotzdem kribbelte das Gefühl in Tianos Bauch schon wieder ein wenig. Er schüttelte es mit einem Achselzucken ab und gab ihr die Hand.

Das erste intensive Gespräch mit den Frauen wollte da Silva den Mordermittlern überlassen. Er informierte Clara daher lediglich offiziell über den Tod ihres Cousins und fragte, ob sie einen Verdacht und ob sie inzwischen etwas von Gunnar gehört habe. Sie verneinte beides.

Clara wollte gerne mit zu Mara kommen, wo sie dann zu dritt auf das Eintreffen der Kripo warten würden. „An Schlafen ist im Moment eh nicht zu denken“, sagten sie fast zeitgleich, was ihre Gesichter in kurzer Erheiterung aufhellen ließ. Doch nur einen sehr kurzen Augenblick lang. Dann war die Trauer in ihnen zurück.

Mara hatte sich aus ihrem beachtlichen Immobilienerbe ebenfalls ein schmuckes reetgedecktes Haus als neues Domizil ausgewählt. Es stand in Nebel nahe beim Schullandheim direkt am Wattenmeer und bot nach hinten hinaus einen herrlichen Blick über das Wattenmeer hinüber nach Föhr.

Auch Mara hatte bereits auf ihr Eintreffen gewartet und kam ihnen entgegen, noch bevor da Silva den Motor abgestellt hatte. Sie umarmte, Tränen in den Augen, zuerst ihre Cousine Christine, dann ihre Halbschwester Clara. Anschließend hauchte Mara dem Polizisten, der auch diese Szene mit professionellem Interesse beobachtet und die Reihenfolge der Begrüßung registriert hatte, mit einer leichten Umarmung und einem „Hallo Tiano, wisst ihr schon mehr?“ ein Küsschen auf beide Wangen.

Da Silva versteifte sich unter dieser Begrüßung. Sie war zwischen ihnen zwar üblich, erschien ihm unter den aktuellen Umständen aber unprofessionell. Er legte die Hände auf ihre Schultern und trat dabei sanft auf Armlänge zurück, während er ein bedauerndes „Leider nein“ aussprach. Mara begriff seine Geste sofort und wurde rot.

„Entschuldige“, druckste sie mit auf den Boden gerichteten Augen.

„Alles gut“, beruhigte er sie und ließ die Hände sinken. „Hast du noch etwas von Gunnar gehört?“

Hatte sie nicht. Und auch keine Vorstellung davon, warum Peer ermordet worden war.

In der Ferne war zunächst leise, aber schnell lauter werdend das Geräusch eines Hubschraubers zu hören. Da Silva schaute auf die Uhr. Das musste die Spurensicherung sein; die Mordkommission würde frühestens in 20 Minuten hier ankommen können. Er verabschiedete sich mit einem „Es kann eventuell Mitternacht werden“ bei den drei Frauen, was diese mit einem zustimmenden Nicken und „wir warten“ beantworteten. Dann machte er sich auf den Weg zur gerade mal zwei Minuten entfernten Landestelle, wo die junge Polizeimeisterin schon mit dem zweiten Streifenwagen bereitstehen müsste. Es waren mindestens acht Kollegen und eine Menge Gepäck zu transportieren. Er rieb sich müde die Augen und unterdrückte ein Gähnen. Ein paar Stunden musste er noch durchhalten.

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